Nachhaltig investieren und gleichzeitig Rüstungsunternehmen finanzieren – für viele Anlegerinnen und Anleger passt das nicht zusammen. Wer sein Geld bewusst anlegt, möchte in der Regel nicht nur Rendite erzielen, sondern auch Verantwortung übernehmen. Nachhaltige Geldanlagen sollen ökologische und soziale Entwicklungen unterstützen, etwa den Ausbau erneuerbarer Energien, bessere Arbeitsbedingungen, Ressourcenschonung oder zukunftsfähige Technologien. Waffen und Rüstung verfolgen jedoch einen anderen Zweck. Sie dienen nicht dem Aufbau, sondern im Ernstfall der Zerstörung. Deshalb empfinden viele Menschen es als Widerspruch, wenn ein als nachhaltig vermarkteter ETF Anteile an Unternehmen hält, die Panzer, Raketen, Kampfflugzeuge, Munition oder andere militärische Güter herstellen.
Gleichzeitig ist das Thema nicht völlig schwarz-weiß. Staaten haben ein Recht auf Selbstverteidigung. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigt deutlich, dass militärische Ausrüstung in bestimmten Situationen notwendig sein kann, um Freiheit, Souveränität und Menschenleben zu schützen. Ohne Verteidigungsfähigkeit wären angegriffene Staaten Aggressoren schutzlos ausgeliefert. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass Rüstungsunternehmen in nachhaltige Geldanlagen gehören. Eine moralische oder sicherheitspolitische Notwendigkeit ist nicht dasselbe wie ein nachhaltiges Investment. Nachhaltigkeit bedeutet, Kapital gezielt dorthin zu lenken, wo langfristig positive Wirkungen für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft entstehen. Aufrüstung, Waffenexporte und militärische Konflikte sind dafür keine überzeugende Grundlage.
Das Problem liegt auch darin, dass viele ETFs, die als ESG, nachhaltig oder verantwortungsbewusst bezeichnet werden, Rüstungsunternehmen nicht konsequent ausschließen. Häufig werden nur kontroverse Waffen wie Streumunition, Landminen, biologische oder chemische Waffen ausgeschlossen. Unternehmen, die konventionelle Waffen oder militärische Elektronik produzieren, können trotzdem enthalten sein. Für Anlegerinnen und Anleger ist das oft schwer zu erkennen, weil die Kriterien der Fonds unterschiedlich sind und nicht immer transparent kommuniziert werden. Wer wirklich vermeiden möchte, Rüstungsunternehmen zu finanzieren, muss daher genauer hinsehen: Welche Ausschlusskriterien gelten? Werden alle Waffenhersteller ausgeschlossen oder nur bestimmte Kategorien? Gibt es Umsatzschwellen, ab denen ein Unternehmen ausgeschlossen wird? Und wie regelmäßig werden die ETF-Bestandteile überprüft?
Am Ende geht es um Glaubwürdigkeit. Nachhaltige Geldanlage sollte nicht nur ein Etikett sein, sondern nachvollziehbaren Prinzipien folgen. Waffen mögen in einer unsicheren Welt eine sicherheitspolitische Rolle spielen, doch sie sind kein Beitrag zu einer nachhaltigen Zukunft im eigentlichen Sinn. Wer nachhaltig investieren will, sollte deshalb darauf achten, dass das eigene Geld nicht indirekt von Konflikten, Aufrüstung oder militärischer Eskalation profitiert. Das ist unbequem, weil wirklich konsequent rüstungsfreie ETFs selten sind und die Auswahl dadurch kleiner wird. Aber genau diese Unterscheidung ist wichtig: Verteidigungspolitik ist Aufgabe von Staaten. Nachhaltige Geldanlage sollte dagegen Kapital in Bereiche lenken, die Frieden, Stabilität, soziale Entwicklung und ökologische Erneuerung fördern.







