Jeder zweite deutsche Haushalt besitzt inzwischen eine Klimaanlage oder denkt zumindest darüber nach, sich ein entsprechendes Gerät anzuschaffen. Diese Entwicklung zeigt, wie stark sich die Lebensgewohnheiten durch steigende Temperaturen verändert haben. Hitzewellen, tropische Nächte und immer neue Temperaturrekorde sorgen dafür, dass Klimageräte nicht mehr nur als Luxusprodukt wahrgenommen werden. Für viele Menschen werden sie zu einer notwendigen Anschaffung, um Wohnungen und Häuser auch im Sommer bewohnbar zu halten. Entsprechend groß ist der Ansturm auf mobile Klimageräte, fest installierte Splitanlagen und moderne Wärmepumpensysteme mit Kühlfunktion. Zahlreiche Modelle sind derzeit ausverkauft, während Installationsbetriebe teilweise bis zum Ende des Sommers keine freien Termine mehr anbieten können. Für Händler, Handwerker und Hersteller entsteht dadurch grundsätzlich ein attraktiver Wachstumsmarkt.
Besonders deutlich wird der Nachfrageboom an den Zahlen großer Unternehmen. Nach Angaben von Daikin, dem weltweit größten Hersteller von Klimaanlagen, lag die Nachfrage in Deutschland im Juni viermal so hoch wie im gleichen Monat des Vorjahres. Auch Versandhändler wie Otto berichten von vergleichbaren Entwicklungen. Panasonic erwartet im laufenden Jahr im deutschen Privatkundengeschäft ein Wachstum von rund zehn Prozent. In wärmeren europäischen Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich könnten die Zuwachsraten sogar noch höher ausfallen. Die Hersteller profitieren dabei nicht nur vom Verkauf der Geräte. Fest installierte Klimaanlagen müssen geplant, montiert, regelmäßig gewartet und bei Bedarf repariert werden. Dadurch entstehen langfristige Einnahmen durch Ersatzteile, Wartungsverträge und Dienstleistungen. Hinzu kommt, dass moderne Systeme häufig sowohl kühlen als auch heizen können und daher ganzjährig eingesetzt werden.
Trotz dieser positiven Aussichten bedeutet eine stark steigende Nachfrage nicht automatisch, dass jede Aktie eines Klimaanlagenherstellers eine gute Investition darstellt. Entscheidend ist zunächst, welchen Anteil das Geschäft mit Klimageräten am Gesamtumsatz eines Unternehmens tatsächlich hat. Große Konzerne wie Panasonic stellen zahlreiche weitere Produkte her, sodass ein starkes Wachstum bei Klimaanlagen im Gesamtergebnis möglicherweise nur begrenzt sichtbar wird. Bei stärker spezialisierten Herstellern kann der Effekt größer sein. Anleger sollten außerdem darauf achten, ob ein Unternehmen seine Produktion schnell genug ausweiten kann. Ausverkaufte Geräte sehen auf den ersten Blick positiv aus, können aber auch bedeuten, dass Umsatz verloren geht, weil Lieferketten, Fabriken oder Installationskapazitäten nicht mit der Nachfrage Schritt halten. Steigende Kosten für Bauteile, Energie, Transport und Personal können zudem die Gewinnmargen belasten.
Eine Investition in börsennotierte Hersteller von Klimageräten kann sich daher durchaus lohnen, sollte aber nicht allein auf einem heißen Sommer beruhen. Langfristig sprechen der Klimawandel, die zunehmende Verstädterung, steigende Komfortansprüche und der wachsende Bedarf an energieeffizienter Gebäudetechnik für den Markt. Gleichzeitig können strengere Umweltauflagen, hohe Strompreise und politische Vorgaben zu Kältemitteln zusätzliche Kosten verursachen. Vor einem Aktienkauf sollten deshalb Umsatzwachstum, Gewinnentwicklung, Verschuldung, Marktstellung und Bewertung des jeweiligen Unternehmens geprüft werden. Auch der Aktienkurs spielt eine wichtige Rolle: Wenn Anleger das erwartete Wachstum bereits vollständig eingepreist haben, kann selbst ein erfolgreiches Unternehmen eine enttäuschende Rendite liefern. Sinnvoller als eine Wette auf einen einzelnen Hersteller kann eine breitere Streuung über mehrere Unternehmen aus den Bereichen Klimatechnik, Wärmepumpen, Gebäudeautomation und Energieeffizienz sein. Der Boom bei Klimaanlagen ist ein nachvollziehbarer Investmenttrend, aber kein sicherer Selbstläufer.







